Nikon D5500 – die Handliche

Die D7000 ist eine wunderbare Kamera – reaktionsschnell und der anfänglichen Reparatur auch zuverlässig. Binnen nunmehr ca. 50.000 Auslösungen (Stand Ende 2015) gab es keinerlei weitere Probleme. Allerdings ist sie ein vergleichsweise dicker Brocken, zumal, wenn man das mit den neuen Kameras der 3000er und 5000er Reihe vergleicht. Zwischenzeitlich hatte ich mal eine D3200 in der Hand und dachte spontan: Wow, das fühlt sich richtig an, die liegt extrem gut in der Hand!

D5500 mit 16-80/2.8-4.0

Die Anfang 2015 erschienene D5500 vereint viele Fähigkeiten der D7000 in einem wirklich handlichen Gehäuse. Dieses ist viel leichter (480 g mit Akku gegenüber 800 g, beides nachgewogen), deutlich kleiner und vor allem enorm ergonomisch geformt. Die wesentliche Neuerung ist der sehr tief eingeschnittene Handgriff auf der rechten Seite, d.h. die Kamera ist an dieser Stelle flach wie eine spiegellose Kamera – da hätte man mal früher drauf kommen sollen. Dadurch liegt das kleine Gehäuse extrem gut in der Hand, wirklich ein Fortschritt. Die D750 ist ähnlich gebaut, und eine zukünftige D7500 wird hoffentlich ebenfalls so aussehen. Die Konkurrenz der Spiegellosen machts möglich.

Die erreichbare Auflösung der Kamera selbst ist dank 24 Megapixeln und ohne Moiré-Filter vorm Sensor wirklich extrem gut. Die Kamera ist hier nicht mehr der limitierende Faktor. Das Rauschen bei hohen ISO-Zahlen ist nochmals geringer als bei der D7000, das ist wirklich sehr angenehm. Mit ISO 6400 kann man noch gute Bilder schießen, besonders in Innenräumen ohne Blitz. Selbst ISO 25400 ist noch brauchbar. Natürlich darf man bei diesen Werten keine Wunder erwarten und nicht jedes Pixel einzeln ansehen, aber der Bildeindruck ist immer noch gut und natürlich ohne störende Artefakte.

Als Dreingabe gibt's ein Klappdisplay mit Touch-Funktionaliät. Bei beidem war ich eigentlich der Meinung, dass man das an einer DSLR nicht braucht, typisch konservativer Spiegelreflex-Nutzer eben. Aber nach ein paar Wochen Arbeit mit der Kamera finde ich beides sehr praktisch und gut ausgeführt. Bei der Bildwiedergabe auf dem Kameradisplay kann man hantieren wie auf einem Smartphone, also z.B. weiterschieben und mit 2 Fingern vergrößern – irgendwie erwartet man das heutzutage intuitiv. Den Fokuspunkt im Liveview zu setzen ist so auch sehr intuitiv und schnell. Die bekannte Bedienung über die Knöpfe geht aber immer noch wie gewohnt, allerdings sind die ziemlich klein. Auf viele Kameraeinstellungen kann man per Touch (fast) direkt zugreifen, ein echter Vorteil bei einer kleinen Kamera mit relativ wenigen Knöpfen.

Hier sind erste Versuche, mal den Nachthimmel zu fotographieren:

Astrofotographie D5500 und 10-24/3,5-4,5; offene Blende, ISO 1600 bzw. 3200 und 30 sec Belichtungszeit; RAW-Bilder, Nachbearbeitung in DxO

Vergleich D5500 mit D7000

Wozu braucht man überhaupt noch eine "bessere" Kamera? Die 5500 macht nominell 5 Bilder pro Sekunde (fps) – braucht man da noch die D7000 (6 fps), zumal beide das gleiche Autofokusmodul haben? Das kommt darauf an. Wenn man mit der 5500 fotographiert, fehlt einem erstmal nichts. Sie spricht schnell an und macht hervorragende Bilder. Aber wenn man dann im direkten Anschluss die 7000 in die Hand nimmt, ist man überrascht, wieviel schneller die sich anfühlt und auch anhört. Allein der Klang der 7000 ist um Längen knackiger. Während man bei der 5500 den Verschluss separat hört und den Eindruck hat, dass 5 fps das Maximum dessen sind, was technisch drin ist, hat man bei der 7000 den Eindruck, dass die rein mechanisch noch deutlich schneller könnte, wenn sie die bloß die Daten schnell genug wegschaufeln würde. Spiegel und Verschluss sind hier ein einziges kurzes Geräusch, in meinen Augen wären deutlich mehr als 6 fps drin.

Was ich aber wirklich vermisse, sind User-Speicherplätze auf dem Wahlrad, wie die beiden U1 und U2 der D7000 und anderen Nikons. Mit der D5500 in der Hand bemerke ich erst, wie häufig ich diese Voreinstellungen sonst verwende: nämlich fast immer. Unverständlich, dass man sich dies bei vielen kleineren (aber auch größeren) Kameras spart, denn es ist im Grunde eine reine Software-Sache, könnte man z.B. auch auf dem Touch-Display oder als Szenen-Mode unterbringen. Auch die fehlende Fokus-Feinjustierung der D5500 ist vermutlich nur eine Software-Geschichte.

Ein weiterer Nachteil der D5500 ist der (vermutlich aus Gewichts- und Größen-Gründen) deutlich kleinere Akku. Währende die D7000 eine manchmal verblüffend große Akkudauer hat, kommt man mit der D5500 nur ungefähr halb so weit. Das ist immer noch ganz OK, aber ich habe schon ungeplant mit leerem Akku dagestanden, weil ich von der D7000 absolute Sorglosigkeit gewöhnt bin. Die offiziellen Angaben der Akkulebensdauer (D7000: 1050 Bilder, D5500: 820 Bilder) geben die Wirklichkeit m.E. nicht wieder.

Tja – wie es aussieht, kann man doch nicht alles gleichzeitig haben, jedenfalls noch nicht. Eine zukünftige D7500 (oder D400?) wäre vielleicht doch ein Überlegung wert, wenn sie den tollen Griff der D5500 hätte und etwas leichter wäre als die D7000. Kann nicht mal jemand einen Firmware-Hack schreiben und der D5500 U1, U2 und Fokus-Tuning nachrüsten?

Neuer Nikon-Ärger

Leider habe ich nicht gleich beim Kauf gemerkt, dass die Kamera einen Autofokus-Defekt hat: Bei automatischer Feldwahl kriegt sie häufig keinen Fokus und pumpt stattdessen. Bei Einzelfeld oder 3D-Tracking ist alles gut. Das war kurz vorm Sommerurlaub, deshalb dachte ich: OK, das Problem umgehe ich erstmal mit Einzelfeldmessung, das regel ich später. Außerdem leichter Backfokus, der nur beim 1,4/50 auffällt, aber auch ärgerlich, weil erst am großen Bildschirm zu sehen. Die D7000 hat dieses Problem nicht, auch ohne Fokus-Feinjustierung.

Nach dem Urlaub habe ich die Kamera beim Händler, einem bekannten Fotoladen in der Berliner Schlossstraße zur Reparatur auf Garantie gegeben. Nach knapp 2 Wochen war sie wieder das, laut Reparaturschein von Nikon repariert und justiert. Probe im Laden ergab schnell, dass alles genauso ist wie zuvor, d.h. die haben m.E. gar nichts repariert. Der Verkäufer im Laden wollte es nicht wirklich glauben, also zweites Gehäuse geholt und siehe da – das funktioniert 1a. Statt dass sie mir das Ding auf Kulanz austauschen, weil Nikon es offenbar nicht hinkriegt, ist die Kamera jetzt wieder weg.

Nach den bereits ähnlich erlebten Problemen mit D7000 vor ein paar Jahren ist die Frage jetzt: Was läuft hier eigentlich?

Nach weiteren 2 Wochen ist die Kamera wieder da. Der Autofokus funktioniert jetzt tadellos, dafür rührt sich der interne Blitz nicht mehr, d.h. die Kamera löst mit aufgestelltem Blitz nicht mehr aus (was man natürlich erst zu Hause feststellt). Nun wurde ein Gespräch mit dem Geschäftsführer vereinbart. Dieser entschied sofort auf Umtausch des Gehäuses. Damit ist die Sache jetzt technisch erledigt, der Laden hat seinen Ruf gerettet, aber ein ungutes Gefühl bleibt.

Was ebenfalls bleibt, ist der Backfokus beim 1,8/35 und beim 1,4/50. Dieses Problem scheint nicht selten zu sein, siehe z.B. hier. Beim 3,5/85 sitzt der Fokus und bei den Zooms ist vermutlich einfach genug Tiefenschärfe da, dass es nicht auffällt. Auffällig ist hingegen wie schon gesagt, dass die D7000 dieses Problem nicht hat. Das bedeutet im jetzigen Zustand, dass die beiden "Normal"-Objektive mit offener Blende an der D5500 nur mit Live-View oder manueller Fokussierung benutzbar sind. Sehr unbefriedigend, denn beides ist langsam.

weiter zur D500


© D. Bettge; 30.10.2015, letzte Änderung: 28.2.2018