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Fotoecke – Fototechnik-Historie

Alles kommt wieder, das gilt nicht nur für die Mode. Auch die Spiegelreflex-Kamera mit Superzoom ist und bleibt eine gute Idee, wie ich finde – eine chronologische Betrachtung.

[Minolta X-500] [Olympus C50] [Minolta A2]

1985: Volles Rohr die erste - Minolta X-500 mit Tokina 35-200

Das war 1985 oder so. In der Schule gab's eine Foto-AG, in der wir gelernt haben, halbwegs kreativ mit einer Kamera umzugehen und außerdem, selbst Schwarzweiß-Filme zu entwickeln und am Vergrößerer Abzüge anzufertigen. Das war der Anfang zu einer etwas ensthafteren Beziehung zur Fotographiererei. Noch im Rückblick finde ich es faszinierend, wie in der Dunkelkammer auf dem weißen Fotopapier im Entwicklerbad unter rotem Licht die ersten Konturen kamen, die sich schließlich zum fertigen Bild verdichteten. Sicher, es war ein relativ langsamer und manchmal nicht ganz vorhersehbarer Prozess, aber die Beziehung zu jedem abgezogenen Bild war ziemlich intensiv, denn meistens ließ sich ein gutes Ergebnis erst nach ein paar Iterationsschritten erzielen. Viele Stunden, ganze Nachmittage und Abende wurden bei rotem Licht und dicker Luft in der Dunkelkammer verbracht.


Quelle: http://www.retorte.ch, da das Original schon verkauft ist

Jedenfalls musste eine "richtige" Kamera her. Ich hatte schon ein einfache SLR mit M42-Schraubobjektiven (vom Qelle-Versand, in Wirklichkeit vermutlich eine umgelabelte Praktika), aber das war wenig praktisch für unterwegs, obwohl es an der Bildqualität nicht viel zu mäkeln gab. In der Familie gab es schon eine Minolta Srt303 (voll-manuell), und so wurde die Neue eine Minolta X-500 (mit Zeitautomatik) mit dem damals ganz neuen Tokina 35-200 mm-Zoom sowie einem 1,7/50 Normalobjektiv.. Aus der heutigen Sicht war das Tokina wohl eines der ersten echten "Superzooms", wie man sowas heute nennt. Es hatte eine sehr ordentliche Lichtstärke von 3,5-4,5 und war relativ groß. Der Miniaturisierungswahn auf Kosten von Lichtstärke setzte erst etwas später ein. Zoomen und Fokussieren (Autofokus gab's noch nicht) ging über einen einzigen großen Einstellring, der gedreht und geschoben wurde. Das ganze ließ sich in einer normalen Revolvertasche transportieren. Die Vorteile waren die gleichen wie heute - schnelle Reaktionszeit auf unterschiedliche Situationen und wenig Gepäck. Der einzige echte Nachteil war die deutliche Verzeichnung im gesamten Telebereich, die sich damals natürlich nicht digital korrigieren ließ, sondern alle Horizonte krümmte, die nicht genau durch die Bildmitte liefen. In der Praxis war der Brennweitenbereich gut, aber noch nicht groß genug. 35 mm sind eben noch kein echtes Weitwinkel, und 200 mm (die in Wirklichkeit wohl eher 190 waren) kein sehr beeindruckendes Tele, aber immerhin.

Über die X-500 lässt sich kaum etwas berichten, außer dass sie immer zuverlässig funktioniert hat. Sie war die kleine Schwester der X-700 und hatte nur Zeitautomatik. Der Spiegel gab beim Auslösen ein extrem trockenes und relativ lautes "klack-klack" von sich. Vergleich mit heutigen DLSRs waren die alten manuellen SLRs erstaunlich klein und leicht. Und simpel: die kleine Knopfzelle für die Belichtungsmessung lieferte ihren Strom über Jahre, alles andere war ja manuell. Der magnetische Auslöser hatte keinen Druckpunkt, so dass sich die Kamera bei langen Belichtungszeiten ohne Wackeln auslösen ließ. Ein gutes, zuverlässiges Gerät also.

Über die weiteren Festbrennweite, die dazu kamen, lässt sich im Nachhinein auch nur Gutes sagen. Das MD 2,8/28 war ohne Schwächen und oft hilfreich. Das Tokina 3,5/17 bot atemberaubende Perspektiven, wurde aber nur selten genutzt – viel Geld (damals gut 400 DM) für wenig Nutzeffekt. Später wurden noch gebraucht ein MC 1,2/58 und ein MC 1,7/85 gekauft – tolle Objektive, aber beide kamen schon zu spät. Letztlich wurden alle Festbrennweiten viel seltener genutzt als das Tokina 35-200. Aus heutiger Sicht ganz klar: Flexibilität schlägt vordergründige technische Werte.

2000: Digitale Anfänge - Skepsis

Nach ersten Anfängen mit Digicams mit VGA-Auflösung oder so gab es mittlerweile sogar schon die ersten ernsthaften digitalen SLRs - die allerdings mehrere Tausend D-Mark kosteten und ca. 3 Megapixel Auflösung hergaben. Das war irgendwie noch nicht die richtige Relation. Bei den kleinen Kameras sah es nicht viel anders aus. Im Nachhinein gesehen, hätte eine 3-MPixel-Kompakte aber sehr wohl ihren Dienst tun können. Hinzu kam, dass die zu erwartenden Datenmengen für die damalige PC-Technik durchaus noch eine bedenkenswerte Hürde darstellten. Es wäre kaum möglich gewesen, alle Bilder auf Dauer auf der Festplatte zu lassen. Das alles sprach für Abwarten, zumal an der analogen Dia-Technik ja nichts falsch war - was übrigens auch heute noch gilt.

2003: Erste Digicam - Olympus C50

Eine kleine, hübsche 5-Megapixel-Kompaktkamera im Alu-Gehäuse. Funktioniert bis heute tadellos. Niemand braucht 12 Megapixel, jedenfalls nicht in so einer Kamera auf einem so kleinen Sensor. Bei gutem Licht lassem sich Bilder machen, die sich in punkto Auflösung absolut nicht hinter den großen Kameras verstecken müssen. Bei schlechtem Licht sind die Möglichkeiten naturgemäß begrenzt, weil jede höhere ISO-Einstellung als 80 zu sichtbarem Bildrauschen führt. Aber letztlich ist dies eine Kamera, die immer dabei sein kann, weil sie nie stört. Eine Kompakte in der Westentasche ist besser als eine Spiegelreflex im Schrank. Das gute Stück hat Anfang 2003 gut 700,- Euro (!) gekostet. Sehr schön und sehr hilfreich bei ungünstigem Licht ist auch der mitzoomende optische Sucher, heutzutage eher eine Seltenheit.

Im Vergleich zu einer Spiegelreflex sind der Autofokus und das gesamte Ansprechverhalten sehr langsam. Richtige Sportaufnahmen sind praktisch nicht möglich, nur einzelne Treffer mit anpeilen und viel Fingerspitzengefühl. Das ist leider bis heute (2010) bei allen Kompaktkameras so, da kann die Werbung tönen, wie sie will.

2004: Die Zwischenstufe - Minolta A2

Die A2 versprach viel, konnte aber einiges nicht halten, darunter leider die Bildqualität. Deshalb war sie eine Episode und wurde mit Kauf der DSLR stillgelegt. Das Konzept war im Grunde super: Lichtstarkes (1:2,8-3,5) Zoom mit 28-200 mm (KB-Vergleichswert) und manuellem Zoomring. Man kann damit bei gutem Licht sehr gute Bilder machen. Für bewegte Objekte taugt diese Kamera genauso wenig wie die kleine C50. Das eingebaute Fokus-Tracking ist unbrauchbar. Ab ISO 400 ist das Bildrauschen schon aufällig. Das KO-Kriterium war aber der unzuverlässige Autofokus, der häufig unbemerkt ein wenig daneben saß. Die Bilder sehen dann auf dem Kameramonitor gut aus und entpuppen sich erst später am heimischen Rechner als unscharf. Dies ist fatal, weil sich dann nichts mehr ändern lässt. Sehr schade, denn die Kamera ist vom Bedienkonzept her mit so ziemlich allen guten DSLRs absolut konkurrenzfähig, nur was nützt es? Der Neupreis betrug im Herbst 2004 ca. 800,- Euro.

Sensorgrößen


Sensorgröße der hier gezeigten Kameras: Compact: C50 und A2; DX: Nikon D80; FX: X-500

Beim Blick auf die Sensorgrößen der Kameras wird klar, warum die Kompakten bei wenig Licht so viel mehr rauschen als die großen SLRs: Sie haben vergleichweise winzige Sensoren, die viel weniger Licht auf praktisch dieselbe Pixelanzahl verteilen. Je größer die Pixelzahl und je kleiner die Sensorfläche, desto stärker wird das Bildrauschen. Abgesehen davon ist die mögliche Bild-Auflösung physikalisch begrenzt, nämlich durch Beugungseffekte. Je größer das optische System ist, desto höher ist die erreichbare Auflösung. Die alten Kleinbild-Filmkameras hatten daher die besten Voraussetzungen und eine hohe Auflösung. Hier kann leider nicht gezaubert werden, das ist Physik. Die optische Auflösung eine miniaturisierten Systems kann durch noch so präzise Fertigung nicht beliebig gesteigert werden, sie ist begrenzt. Die einzige Abhilfe ist mehr Sensorfläche und damit mehr Glas in der Optik. Handy-Kameras mit mehr als 10 Megapixeln bewerben sich zwar gut, sind aber Schwachsinn.

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© D. Bettge; 1.2.2009, letzte Änderung: 11.7.2010